VdS, SKG & Co.: Prüfinstitute und Zertifizierungen für elektronische Schließzylinder

von | 19. Juli 2025 | Technologie

Zuverlässigkeit, Sicherheit und Effizienz zählen zu den zentralen Qualitäten elektronischer Schließzylinder. Um einheitliche Standards zu schaffen, vergeben Prüfinstitute Zertifizierungen auf Basis messbarer Kriterien wie Einbruchschutz oder Manipulationssicherheit. Sie bieten klare Orientierung für Industrie und Verbraucher.

Ob beim Neubau eines Bürogebäudes, bei der Nachrüstung von Bestandsimmobilien oder elektronischen Sicherheitssystemen in öffentlichen Einrichtungen, praktisch jeder elektronische Schließzylinder ist in irgendeiner Form zertifiziert. In Deutschland und Europa existieren zahlreiche anerkannte Prüforganisationen, die Sicherheitsstandards definieren, die Einhaltung von Industrienormen überprüfen und Prüfzeichen vergeben. 

Doch wer prüft eigentlich was und welche Zertifikate sind besonders relevant? Dieser Artikel bietet einen Überblick über die wichtigsten Prüfstellen, Normen und Klassifizierungen rund um elektronische Schließzylinder.

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Zuständige Prüfstellen

Die Zertifizierung elektronischer Schließzylinder erfolgt nicht durch die Hersteller selbst, sondern durch unabhängige Institute. Nachfolgend finden Sie die wichtigsten Prüf- und Zertifizierungsstellen in Deutschland und Europa:

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    ► VdS Schadenverhütung (Köln, Deutschland)

    • Zertifizierung: VdS-Prüfzeichen für Sicherheitsprodukte 
    • Beispiele: SimonsVoss Digital Cylinder AX, VdS 2344 (Einbruchschutz); MobileKey-Schließzylinder Z4 VdS AZ, VdS 2156 
    • Bekannt für: sehr hohe Anforderungen an Einbruchschutz, mechanische und elektronische Sicherheit 
    • Besonderheit: hohe Akzeptanz bei Versicherungen; oft Voraussetzung für Absicherung von Gewerbeobjekten

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      ► DIN CERTCO / TÜV Rheinland (Berlin/Köln, Deutschland)

      • Zertifizierung: Prüfung nach nationalen und internationalen Normen z.B. DIN, EN 1303, EN 15684 (Mechatronik-Standard)
      • Beispiele: SimonsVoss SmartHandle AX Advanced, DIN EN 1906 (Türbeschlag-Norm); MobileKey-Schließzylinder Z4, DIN EN 15684
      • Bekannt für: neutrale und umfassende Prüfverfahren
      • Besonderheit: sehr breites Themenspektrum, z.B. auch Nachhaltigkeit, Produktsicherheit, Datenschutz

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        ► PIV CERT (Velbert, Deutschland)

        • Zertifizierung: Ausstellung von Konformitätsbescheinigungen nach DIN EN 1303 und EN 15684 (Mechatronik-Standard)
        • Beispiele: SimonsVoss Digital Cylinder AX Z5, DIN EN 15684; MobileKey-Schließzylinder Z4, DIN EN 15684
        • Bekannt für: Spezialisierung auf Schließ- und Sicherheitstechnik
        • Besonderheit: enge Anbindung an die Schlüssel- und Schlossindustrie („Schloss-Stadt“ Velbert)

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          ► SKG-IKOB (Geldermalsen, Niederlande)

          • Zertifizierung: SKG-Prüfzeichen mit 1 bis 3 Sternen
          • Beispiele: SimonsVoss Digital Cylinder AX, SKG 3* (Zertifizierte Einbruchhemmung)
          • Bekannt für: Bewertung von Einbruchhemmung mechatronischer Systeme
          • Besonderheit: 3-Sterne-Zertifizierung für höchste Sicherheitsstufe; auch im DACH-Raum verbreitet

            Normen als technischer Maßstab. Was wird geprüft?

            Zertifikate zeigen, was ein Produkt kann. Normen sagen, was es können muss. Prüfstellen sorgen dafür, dass beides zusammenpasst. Die Verfahren in Normprüfungsinstituten sind standardisiert und decken unterschiedliche Funktions- und Sicherheitsaspekte ab. Diese Kategorien werden bei Prüfungen typischerweise bewertet:

            • Mechanische Sicherheit
              Widerstand gegen physische Angriffe wie Ziehen, Bohren, Manipulation
            • Elektronische Sicherheit
              Schutz vor Datenmanipulation, unautorisiertem Zugriff, Hackerangriffen
            • Betriebszyklen / Lebensdauer
              Prüfung auf Funktionserhalt über mehrere zehntausend Betätigungen
            • Umweltbeständigkeit
              Verhalten unter extremen Temperaturen, Feuchtigkeit, Korrosionseinflüssen
            • Stromversorgung
              Wie reagiert das System bei Stromausfall oder leerer Batterie?
            • Benutzersicherheit
              Notentriegelung bei Gefahr, ergonomische Bedienung, Fehlertoleranz

            Bevor ein elektronischer Zylinder ein Prüfzeichen erhält, durchläuft er eine Vielzahl an Tests. Diese orientieren sich an europäischen Normen, allen voran an der DIN EN 15684 (für mechatronische Schließzylinder) und der DIN EN 1303 (für mechanische Komponenten).

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              DIN EN 15684

              DIN EN 15684 ist die zentrale europäische Norm für mechatronische Zylinder. Sie regelt die Leistung von Zylindermechanik und Elektronik bei Einbruchversuchen, definiert Prüfverfahren für Lebensdauer (Zyklen), Umweltbedingungen (Temperatur, Feuchtigkeit), Stromausfall- und Brandschutzeigenschaften sowie Manipulationsresistenz. 

              DIN EN 1303

              Bestimmt die Anforderungen für mechanische Zylinder und Schlüssel. Die Norm prüft Widerstandsfähigkeit (z.B. gegen Ziehen, Feuer, Korrosion), Zyklenfestigkeit (25.000–100.000 Betätigungen), Sicherheitsschlüsselprofile und Angriffswiderstand (Klassen A–D, z.B. Drill- und Ziehschutz). Bewertung erfolgt über achtstelligen Code – für klare Vergleichbarkeit.

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                Klassifizierungssysteme nach DIN EN decodieren

                Zertifizierte Schließzylinder werden nicht nur pauschal als „geprüft“ eingestuft, sondern erhalten eine mehrstellige Codierung, die Auskunft über einzelne Leistungskriterien gibt.  Ein Blick auf die Klassifizierung sagt manchmal mehr als viele Worte. Jede Stelle im Code steht für ein bestimmtes Leistungsmerkmal. Je höher der Wert, desto höher die jeweilige Schutzklasse des Schließzylinders.

                Ein typischer Code könnte so aussehen:
                4 6 0 B 0 A A A

                1. Verwendungsbereich: Private oder gewerbliche Nutzung, höherer Wert bei erhöhtem Anspruch
                2. Anzahl der Schließzyklen: Beständigkeit und Lebensdauer, bis zu 200.000 Zyklen 
                3. Türmasse / Schließkraft: Entfällt häufig bei mechatronischen Systemen 
                4. Feuer-/Rauchverhalten: Eignung für Brandschutztüren („B“ = geeignet) 
                5. Korrosions- und Temperaturbeständigkeit: Prüfung unter extremen klimatischen Bedingungen 
                6. Sicherheitsklasse (Angriffswiderstand): Mechanische Einbruchhemmung, entscheidend für viele Einsatzbereiche 
                7. Schlüsselvarianten / Differenzierung: Wie viele unterschiedliche Schlüsselprofile möglich sind 
                8. Manipulationsschutz: Widerstand gegen technische Angriffe, Picking, elektronische Sabotage

                Aufschlüsselung:

                Der oben genannte Code mit der Ziffernfolge 4 6 0 B 0 A A A bedeutet also:

                • 4 – Gebrauchskategorie: Hohe Beanspruchung (z.B. öffentliche Nutzung) 
                • 6 – Dauerhaftigkeit: 100.000 Betätigungen (höchste Klasse) 
                • 0 – Türmasse: Nicht bewertet (irrelevant bei Zylindern) 
                • B – Feuerwiderstand: Geeignet für Feuer-/Rauchabschlusstüren 
                • 0 – Sicherheit: Keine besondere Druckbelastbarkeit erforderlich 
                • A – Korrosions- & Temperaturbeständigkeit: Hohe Beständigkeit 
                • A – Schlüsselvarianz: ≥ 100.000 eindeutige Kombinationen 
                • A – Angriffswiderstand: Basis-Schutz gegen einfache Manipulation

                  Brandschutztür in einem Wohnhaus

                  Geprüfte Sicherheit durch messbare Sicherheitsstandards

                  Normen und Zertifizierungen sind mehr als nur formale Anforderungen. Sie erzeugen objektive Maßstäbe für Qualität und Sicherheit. Wer sich für zertifizierte elektronische Schließzylinder entscheidet, profitiert gleich mehrfach: von geprüfter Technik, definierter Leistung und hoher Akzeptanz bei Planern, Betreibern und Versicherern. Gerade im Kontext elektronischer Zutrittssysteme, bei denen sowohl mechanische als auch digitale Risiken bestehen, schaffen Prüfzeichen wie VdS, SKG oder A2P eine unverzichtbare Grundlage für die Planungssicherheit.

                  Sie suchen elektronische Schließzylinder mit nachweislich hoher Sicherheit? Die Produkte von SimonsVoss erfüllen anspruchsvolle Normen wie die DIN EN 15684 und sind durch namhafte Institute wie VdS zertifiziert. Unsere mechatronischen Systeme verbinden geprüfte Sicherheit mit intelligenter Zutrittsorganisation – für Projekte jeder Größe.